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Neurodermitis

Am 23/11/1966 habe ich als gesunder strammer Bursche das Licht der Welt erblickt. 

Die ersten Jahre liefen laut den Erzählungen meiner Eltern und Großeltern ohne gesundheitliche Probleme. 

Irgendwann als ich 6 Jahre alt gewesen bin hatte ich die erste schlimme allergische Reaktion. Ein Hund ist an mir hoch und hatte mich liebevoll im Gesicht geleckt. Das Resultat waren dann geschwollenen Auge und Pusteln im Gesicht, dazu kam, dass ich wohl keine Luft mehr bekommen habe und ganz schlimm rum jabbste. Sprich nach Luft schnappte. Im Krankenhaus wurde ich dann mit Kortison versorgt und die allergische Reaktion ließ Gott sei dank, schnell nach. Ab dem Tag waren allergische Reaktionen und Luftnot in verschiedenen Situationen leider die Regel. Ich weiß noch ganz genau wie ich mit 7 Jahren, ich ging in die 2. Klasse, zur Nacht meine Hände mit einer nach Teer riechenden Creme zugekleistert wurden. Dazu kam, dass ich Handschuhe aus Plastik tragen musste, damit das alles toll einziehen kann. Glaubt mir das war keine schöne Sache. Dazu kam dann das täglich Spießrutenlaufen in der Grundschule. Kinder können wirklich gemein sein. "Ieehhhh was hast du denn da an den Fingern und an den Ellenbogen?" Eine ruhige sachliche Erklärung war eigentlich angebracht, leider wurde ich damals einfach nicht verstanden. Ich versuchte mich damit abzufinden und zu arrangieren. Doch die Rufe von einigen Kindern blieben wie eingemeißelt in meinem Kopf.."ieehhh das sieht aus wie Krebs.. Jörn hat Krebs. .Jörn hat Krebs"...höre ich Sie alle noch rufen. Ich möchte hier kein Tal des Jammerns öffnen, aber mich und alle die das hier lesen, emotional abholen und versuchen euch, auf meine damalige Gefühlsebene zu bringen.

Dann mit 9 Jahren begann ein neuer Abschnitt in meinem Leben.  Ein Jahr zuvor hatten mein Bruder Christoph und ich unsere Mutter tragischerweise verloren. Mein Vater, hatte zu der Zeit einen Auslandssauftrag angenommen. Paps war Maschinenschlosser in leitender Position und darauf spezialisiert, Seifenmaschinen Fabriken weltweit aufzubauen. D.h. die Firma in Deutschland in der er gearbeitet hat, stellte die Maschinenteile komplett für die zukünftige Fabrik her. Papa mit seinem kleinen Team montierten dann die Maschinenteile vor Ort zusammen und brachten diese Fabrik zum laufen. So wurde dann zusammen mit seiner neuen Ehefrau und unserer zukünftigen Adoptivmutter beschlossen, das wir 3 Jahre in Ägypten leben werden. Gesagt, getan wurden Pläne geschmiedet, wo wir leben werden. An welche deutsche Schule wir  Kids unterkommen könnten. Was passiert mit unserem  zu Hause in dem wir lebten, wie ziehen wir dort hin, welche Impfungen werden benötigt usw. und so fort.  Mein Vater war dann schon irgendwie vorab hingeflogen. Wir, meine Adoptivmutter, mein Bruder und ich sind dann mit dem Auto einem Strich 8 W114 (Mercedes Benz) von Helmstedt nach Venedig gefahren und dort mit der Autofähre rüber nach Alexandria (Ägypten) Die fahrt mit dem Auto dauerte glaube ich 2 Tage und die mit der Fähre 7. In Ägypten angekommen, durften wir dann erstmal die ersten Woche in den Sommerferien in einer Stadt namens Kafr az-Zayyat verbringen. In den Ferien sind wir dann irgendwann nach Alexandria (der Perle des Mittelmeers) gezogen. Das Klima dort am Meer, hat meiner Haut sehr gut getan. So schlimm wie anfangs in Deutschland ist es dort nicht mehr gewesen, doch hier ist uns aufgefallen, dass ich bei länger anhaltenden sportlichen Belastungen, bei stressigen Situationen immer wieder keine Luft bekommen habe.  Die Neurodermitis hatte sich dann auf die Hände, Ellenbogen und Kniekehlen fokussiert.  Gecremt wurde dann immer mit einer rückfettenden Creme oder einer mit Kortison. Wegen meinem Asthma weiß ich noch, das damals schon das Notfallspray meiner ständigen Begleiter gewesen ist. Morgens und Abends nahm ich immer ein Bronchien erweiterndes Medikament in Tablettenform. Theophylin war es glaube ich. Nun gut, so vergingen eigentlich 3 ruhige Jahre in Ägypten. Wenn da nicht die Trichinose gewesen wäre, die wir uns durch verunreinigtes Schweine-Fleisch eingefangen hatten. Aber auch das haben wir gemeinsam überstanden. Der Fluch der Neuro kam wieder stärker zurück in Deutschland, als ich 12 Jahre alt gewesen bin. 

Wenn ich so drüber nachdenke ist es mit der Haut immer wieder ein auf und ab gewesen. Immer an den altbekannten Stellen plus Schubweise am fast ganzen Körper. Mit 15 begann ich meine 2 Jahre  andauernde Desensibilisierung, leider nachhaltig ohne Erfolg. Der große Allergietest mit 17 war dann schon so ein Ding wo ich vom Verständnis nicht mit klar gekommen bin. Warum das erzähle ich euch gerne. Auf beiden Armen wurden die Allergene in Tropfenform verteilt. Es müssen so an die 50 Tropfenstellen gewesen sein. Bestehend aus Nahrungsallergenen, Kreuzallergenen, Haustaubmilben. Gräser, Blüten und Co. Tierhaare sowie Geschmacksverstärkern. Mein lieber kleiner Dr. Shadlou wollte mir unbedingt helfen und herausfinden, worauf ich Allergisch reagierte. Als dann die Haut unter den Tropfen angeritzt wurde, begann die allergische Reaktion. Mit jeder Minute wurden unter verschiedene Tropfen Quaddeln sichtbar die natürlich auch angefangen haben zu jucken. Um so größer die Quaddel, umso stärker die allergische Reaktion. Was soll ich euch sagen, an beiden Armen waren nur noch vereinzelt kleine Stellen frei, die nicht mit einer allergischen Reaktion einhergingen. Das Ergebnis war wirklich ernüchternd. Von irgendwie 50 Tropfen hatte ich bei ca. 40 eine negative Reaktion. Demnach durfte ich nur noch eine kleinste Auswahl an Lebensmittel zu mir nehmen. Somit hatte mich dieser Test nicht wirklich weiter gebracht. Eine Lichttherapie gepaart mit Salzwasserbad wurde mir verordnet. Das hilft dann auch immer nur wenn man es macht. Was mich gerade wundert, wo ich das hier so schreibe und mein Leben so reflektiere ist, dass sich nie wirklich mit der Psyche meiner Person beschäftigt wurde. Es ist halt so, finde dich damit ab, das gehört halt zu Dir und gut wurde mir immer gesagt. Finde dich damit ab war der O-Ton. Im Sommer war es immer besser und am Meer fast perfekt.  So ist es und so wird es bleiben. Nun gut. Meine Therapie bestand also immer darin wenn es zu sehr juckte, diese Stelle mit heißem Wasser abzuschrecken um Sie dann mit Kortison einzucremen.  Die Jahre vergingen und ich versuchte mich wirklich damit zu arrangieren. Aber jeder der diese Krankheit hat und oder kennt, weiß das man sich damit nicht abfinden kann. Es muss doch etwas geben, was mir hilft!. . . .